Die Wunde

Regie: John Trengove
Drehbuch: John Trengrove, Thando Mgqolozana, Malusi Bengu
Kamera: Paul Özgür
Musik: Joao Orecchia
Darsteller: Nakhane Touré, Bongile Mantsai, Niza Jay Ncoyini, Thobani Mseleni, Gamelihle Bovana
Südafrika/NL/DE/NO 2017, 88 Min., Xhosa O.m.U., ab 16, Schulvorstellungen
Start war 14.9.2017
 feste Termine im  FilmABC

Männerbilder in Südafrika

Eastern Cape, Südafrika. Xolani ist ein eher stiller junger Mann. Er fährt in die Berge des Hinterlandes, wo er in einem Camp als Mentor am traditionellen Beschneidungsritual teilnehmen wird. Dort begegnet er Kwanda, einem rebellischen Teenager, und er trifft seinen Jugendfreund Vija, den er nur einmal im Jahr während des Rituals sieht. Wie immer geht es bei den Beiden um wilden Sex, aber diesmal sind auch Gefühle im Spiel…

Wenn Du am Eastern Cape von Südafrika lebst, dann bist Du ein Xhosa. Und wenn Du als Xhosa 18 Jahre bist oder wirst, dann gehst Du im Winter oder im Frühsommer raus in die Berge zum Ukwaluka. Bei dieser Beschneidungszeremonie – begleitet von einem mehrwöchigen Aufenthalt im Busch – wirst Du zum Mann. Wenn Du nicht gehst, bleibst Du ein „Boy“.

Das Problem ist dabei einerseits, daß die alte Tradition heute nachlässig ausgeführt wird (mit Dutzenden Todesfällen jedes Jahr und einer unbekannten Anzahl von Glied-Amputationen) und andererseits, daß für die jungen Männer in ihrer Gesellschaft de facto keine Alternative gibt (bzw. die Alternative sehr, sehr viel Mut erfordert).

Der weiße, homosexuelle Regisseur John Tengrove nähert sich diesem Phänomen sehr vorsichtig, versucht eine korrekte Darstellung, ist aber so ziemlich der einzige Künstler in Südafrika, der das klassische Männerbild offen in Frage stellt. Mit seiner obendrein homosexuellen Geschichte bricht er gleich zwei Tabus. Thando Mgqolozana, der schwarze, südafrikanische Autor von „A Man Who Is Not a Man“, hat am Drehbuch mitgearbeitet.

Weiter in die Tiefe schaut die Kritik von Jan Künemund auf Spiegel Online.